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von Joachim Grabbe

Stand: 22.07.10

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Hier sünd se richtig, wenn Se wat över mi sülm oder de annern
Grabbe's erfohren wüllt. Kiekt ju in Roh de Sieden an.

Jochen seet in de Stuuv as sien Fru dörch de Döör keem. "Wat seggst du blot to düssen     Wahlutgang, düsse Politik, de velen Minschen, de keen Arbeid hebbt", sä Jochen.

" Tschä, wat sall ik dorto seggen", meen sien Fru.

"Sühst du, dat segg ik ok!"

 

 

De Naam " GRABBE"

 

1.) Bemerkungen aus dem Namenslexikon

Der Name Grabbe gehört zu den so genannten einstämmigen Kosenamen, d. h. zu den Namen, die so entstanden sind, dass von den zwei Stämmen des Vollnamens, der eine ganz abgeworfen und dem bleibenden Stamme ein "O" angehängt wird. Der mutmaßliche Vollname zu Grabbe ist Grabart.

Jedoch ist diese Erklärung nicht sicher. Das "B" in Grabbe vertritt wohl das "W" des Stammes "Grau", lässt aber auch die Möglichkeit zu, dass es sich überhaupt nicht um eine zweistämmige Koseform handelt. Es könnte auch aus dem zweiten Glied des Namens "Grabart" entnommen sein, zu dem dann "Grabbe" die zweistämmige Koseform bilden würde, die nach ihm durch mehr oder minder starke Kontraktion der beiden Stämme des Vollnamens gebildet wird; Bei der vom zweiten Stamme ebenso oft nur der anlautende als auch der auslaufende Konsonant beibehalten bleibt. Eine andere Version des Namens geht dahin, dass der Name "Grabbe" vom Graben hergeleitet wird. "Grobb" = Moorgraben, der am Moorgraben lebende. Noch eine andere Version des Namens kommt von "Krabbe", 1290 in Stralsund.
Hince Crabbe = Grabbe, Krabbenfischer. Das munddeutsche Krabbe meint in persönlicher Verwendung einen beweglichen, regsamen Menschen, wobei "krabbeln" eingewirkt hat. Grabben - von greifen, raffen. Friesische Krabbe - für Meerkrebs, Grappen, - unnütze Gedanken und Einfälle, Mucken, Schrullen.

2.) Auszug aus dem Grabbe Jahrbuch 1997, der Grabbe Gesellschaft in Detmold, über die Deutung des Namens Grabbe

Bisher gibt es nur zwei sprachwissenschaftlich ernst zunehmende Versuche eine Deutung des Namens Grabbe, wenn man von den Einträgen in den Namenbüchern absieht. In der jüngeren der beiden hat im Jahre 1920 K. Wehrhan die Herleitung von einer Örtlichkeitsbezeichnung mit dem Substantiv Graben vorgeschlagen und dazu aus Namensverzeichnissen des Landes Lippe vom Jahre 1901 tatsächliche und vermeintliche Parallelen wie Grawe, Gräwe, Grabbe, Grabbert oder Grabenmeier angeführt. Er erwähnt dabei ohne direkte eigene Stellungnahme einen abweichenden älteren etymologischen Anschluss von O. Preuss; doch geht implizit aus seinem Vorschlag eine Ablehnung des älteren Versuches hervor. Die Lösung von K. Wehrhan muss jedoch zweifelsfrei verworfen werden: Bei einem etymologischen Anschluss bei einer Sippe des starken Verbs graben muss man in der Wurzelsilbe nachvokalisches germanisches /b/ ansetzen, das im Niederdeutschen seit ältesten Zeiten als Reibelaut, vornehmlich in Schreibungen wie <v> oder <u>, auch <w>, auslautend schließlich mit der Anzeige einer Verhärtung zu <f> bezeugt ist. Selbst Graphien der Art <b> weisen in den fraglichen Umgebungen dann nicht mehr mit Gewissheit auf den Lautwert "Verschlusslaut" hin, insbesondere dann nicht, wenn sie im Wechsel mit <u-v-w> im gleichen Worte stehen. Deshalb sind die von K. Wehrhan aufgelisteten Beispiele auch nicht alle als etymologische Parallelen anzusprechen. Grabbe selbst hat seine Namen gelegentlich auch in den genannten Zusammenhang gestellt, nämlich zum Substantiv Grab N., wie aus einigen seiner Briefunterschriften hervorgeht. Das liegt vom lautlichen Anklang sehr nahe, lässt sich aber von der sprachwissenschaftlichen Etymologie her nicht halten. Im Rahmen der genealogischen Forschungen nach den Vorfahren Christian Dietrich Grabbe hat H. Riemann verlässlichen Grund gelegt für eine angemessene Beurteilung. Hier sind es zunächst die verschiedenen Schreibformen des Namens, die Beachtung verdienen; neben der Leitform Grabbe mit den häufigsten Vorkommen erscheinen noch Grabe, Grabaeus, Grobe, Grobbe, Grabbeus, Grob, Groppe. Aus den konsonantischen Doppelschreibungen und der Tatsache, dass keine Variation mit <u-v-w> Schreibungen bezeugt ist, kann man folgern, dass in der gesprochenen Form des Namens immer ein Verschlusslaut vorgelegen hat, der in dieser Form auf niederdeutschen Doppelkonsonanten  >bb< ( geminiertes >b<) zurückgeht und etymologische Verwandtschaft mit der Wortfamilie graben ausschließt. Damit kann man gleichzeitig sicher auf Kürze des vorangehenden Vokal schließen. Da sich solche Gemination oft genug in Kurzformen alter Rufnamen finden lassen, in denen sie meist aus Assimilation erklärbar sind, ohne dass man die "reguläre" lautgesetzliche Gemination vor germanischen /j/ bemühen müsste, könnte hier ein Anstoß für den Lösungsvorschlag gelegen haben, den O. Preuß vor über hundert Jahren präsentiert hat, ohne dass er das ausdrücklich zu erkennen gibt. Jedenfalls ist er von dem zu seiner Zeit anerkannten Grundsatz ausgegangen, dass die Mehrzahl von Familiennamen alte zweigliedrige germanische Personennamen zugrunde lägen oder auch vielfältige Kurzformen daraus, die gerade gern Konsonanten-gemination aufweisen. In diesem Rahmen hat er dann Grabbe von einem zweigliedrigen Rufnamen Grabart abgeleitet und dazu wörtlich in einer Anmerkung ausgeführt: Das >b< in Grabbe vertritt wohl das w des Stammes graw, "grau", könnte aber auch aus dem zweiten Glied des Namens Grabart entnommen sein, zu dem dann Grabbe die zweistämmige Kurzform bilden würde."

Die Lösung würde nun zwar das lautliche Problem des Anschlusses an die Sippe von graben beheben, sie hat gleichwohl wenig Wahrscheinlichkeit für sich. G. Müller hat zu Recht auf der Grundlage der Untersuchungen von J. Hartig darauf hingewiesen - was O. Preuß zu seiner Zeit noch nicht wissen konnte - dass das Inventar germanischer Rufnamen im späten Mittelalter derart geschrumpft war, dass es nicht mehr in dem von O. Preuß angenommenen Maß als Grundlage für die Ausbildung von Familiennamen dienen konnte.

Es kommen noch weitere Argumente hinzu. Ein Rufnamen Wort zum Adjektiv grau, germanisch gre-wa ist zwar belegt, doch ist es recht selten und mit nur wenigen Zweitgliedern (-hilt, -loh, -olt, -walt, -wulf) bezeugt. Das einzige mit >b< anlautende Zweitglied ist in der Tat -bard; und hier kann man Zweifel daran haben, ob überhaupt ein originärer zweigliedriger Rufname vorliegt. Das Beispiel scheint vielmehr ein Beiname "Graubart" zu sein. Ein Erstbestandteil Grau in den zweigliedrigen Rufnamen lässt sich im engeren und weiteren westfälischen Umkreis nicht nachweisen: weder die früh- und hochmittelalterlichen Namenslisten der klösterlichen Gedenküberlieferung von Fulda und Corvey, über die wir jetzt gut unterrichtet sind, noch die Sammlungen zum altsächsischen Sprachgebiet bis zum 12. Jahrhundert enthalten auch nur einen einzigen Fall dieses Namenswortes, geschweige denn den ganzen Namen Grabart.

Neben den älteren Schreibzeugnissen des Familiennamens Grabbe verdanken wir der Untersuchung von H. Riemann aber noch den weiteren Hinweis, das es sich im Ursprung um den Namen eines Hofes gehandelt hat. Ältestes Zeugnis dieses Hofes der Grafen von Lippe ist ein Eintrag von einem 1515 in einem Landschatzregister des Amtes Schötmar als "der Grabbe im Niggenhagen". Es ist nun ein bekanntes Phänomen, insbesondere im Westfälischen, dass derartige Hofnamen nicht nur zu Familiennamen geworden sind, sondern umgekehrt sogar bereits geführte Familiennamen aufgegeben wurden, wenn jemand - etwa durch Einheirat - neu in einen solchen Hof eintrat.

Es kommt daher im weiteren darauf an, durch Vergleich zu ermitteln, nach welchen Benennungsmotiven überhaupt Hofnamen im Westfälischen vergeben worden sind. Dabei kann aber schon stillschweigend davon ausgegangen werden, dass solche Benennungen sich grundsätzlich im gleichen Rahmen bewegt haben wie die zusätzliche Benennung von Personen neben ihrem ursprünglichen Rufnamen. Allerdings ist von vornherein die Vermutung abzuweisen, als Gräfliches Eigentum sei der Name des Hofes vom Substantiv Graf M. herbei geleitet. Angesichts der eindeutigen Verschlusslautschreibung des Namen Grabbe und der niederdeutschen Schreibung/Lautung grave, greve, Graf scheidet diese Verknüpfung aus. In den Regionen, wo die Verhältnisse näher untersucht sind, zeigen sich erwartungsgemäß Benennungen der Höfe nach den dort einmal wirtschaftenden Personen oder nach Merkmalen der Lage in der Landschaft. Nach dem Übertritt derartiger Hofnamen in die Klasse der Familiennamen fällt dieser Familiennamentyp unter dem Begriff der "Wohnstättennamen".

Nach alldem ist im niederdeutschen Wortschatz nach einer geeigneten etymologischen Anschlussmöglichkeit Ausschau zu halten. Von den oben mitgeteilten variierenden Namenschreibungen können die Formen Grabbaeus und Grabbeus als sekundäre Latinisierungen beiseite bleiben. Eine Erklärung verlangen dagegen die Varianten mit <o>: Grob(e), Grobbe und Groppe. Sie dürften als sogenannte umgekehrte Schreibungen zu deuten sein. Sie stellen sich in ungeregelten Schreibsprachen besonders dann gern ein, wenn Zuordnungen unsicher geworden sind. Im Mittelniederdeutschen sind sowohl einzelne Übergänge von /o/ zu /a/ vor /f/ und /ch/ (Reime dochter: achter) bezeugt; insbesondere westfälisch ist der Übergang vor /rn/ und /rd/. Schließlich gibt es im Westfälischen auch die Schreibung <a> für niederdeutsch langes /o:/. Das alles kann nach sich ziehen, dass ein Schreiber, der den etymologischen Anschluss eines Namens nicht durchschaut hat, überkorrekt die Schreibung <o> anstelle von <a> gesetzt hat. Der Wechsel von <b(b)> mit <pp> muss weiter unten noch einmal im Zusammenhang mit dem etymologischen Anschluss aufgenommen werden.

Die Auswahl an Anschlussmöglichkeiten im niederdeutschen Wortschatz ist nicht groß. Die Hinweise auf Krabbe "Meerkrebs", die manche Namenlexika geben, sind eher irreführend als hilfreich. Im Binnenland gibt dieses Lexem kein plausibles Benennungsmotiv ab. Da der Name als Hofname gesichert ist und überhaupt im Lippischen Raum Verbreitung aufweist, ist ein Import aus der Küstenregion unwahrscheinlich. In seiner Etymologie ist das Wort übrigens mit seinen Verwandten wie Krebs sehr umstritten. Es hat jedoch den Anschein, als ob sich sekundär die Wortsippen mit anlautendem /kr/ und anlautendem /gr/ aneinander angeschlossen und gekreuzt hätten.

Auszugehen ist von dem Verbund, grabben, greifen, raffen, schnell fassen, daneben kommen ein Adjektiv grabbich, gierig, raffgierig und ein Substantiv F. grabusie, Raffen, Greifen vor. Grabbe wäre demnach ein nomen agentis nach dem Muster der n-Stämme aus Verben (z. B. as.bero, Träger zu ahd.as.beran, as.kempio, Kämpfer zu ahd.bezeugtem chemfan, cham(f)fan, as.wiso, Führer zu as.wisan, zeigen, weisen, ahd. wisen, führen, zeigen usw.) wo im Neuhochdeutschen das Suffix -er eintritt, der Greifer, der Raffer.

Eine solche Benennung wäre als Beiname (Typus: Übername, gemeinsprachlich "Spitzname") eines frühen Hofinhabers oder des Begründers zu verstehen, wobei ungeklärt bleiben muss, welche Art von Gegenständen der so Benannte an sich gerafft haben mag. Am ehesten wird die Annahme zutreffen, dass der Name einem habgierigen Geizkragen gegolten hat. Dabei stört es nicht, dass eine wenig edle Eigenschaft in einem schließlich offiziell geführten Namen fest geschrieben worden ist. Benennungen wenig schmeichelhafter Art sind in den frühen Beinamengebung häufig anzutreffen. Im Erteilen sprechender Namen waren frühere Generationen wenig zimperlich. Stellvertretend für viele seien Namen wie Hardefust, Cleinegedanc, Morgensweiz, Cleffere, Schwätzer oder Gir avarus als Auswahl aus einer langen Reihe genannt, die St Hagström aus dem mittelalterlichen Köln zusammengetragen hat.

Wenn sich so gleichermaßen von der morphologischen Struktur der Wortbildung wie auch der semantischen Motivation der Benennung her der Name Grabbe einordnen lässt, seien dennoch zusätzlich ein paar weitere Überlegungen zur Sicherheit vorgetragen.

Einige Namensbücher führen als Deutungsmöglichkeit nämlich auch ein niederdeutsches Grabbe, Grappen (Grabbe im Plural) in die Bedeutung, Schrulle, Mucke, unnütze Gedanken an. Ein solches Wort kommt in der Tat vor, überwiegend in pluralischer Verwendung, ist aber offenbar charakteristisch für den niederdeutschen Norden und Osten, es scheint im Westfälischen nicht verbreitet zu sein. Ein Substantiv Grapp, Grabbe M. in der Bedeutung Rabe, das zum Gebrauch als Übernahme bestens geeignet zu sein scheint, ist offensichtlich ein westoberdeutsches Wort und muss deshalb aus den Überlegungen ausscheiden.

Abschließend sollen noch ein paar Überlegungen zum Labial, der die Tonsilbe des Namens schließt, folgen. Konnte mit Sicherheit eine Rückführung auf germanisch /b/ ausgeschlossen werden, so ist eine positive Entscheidung schwierig, welcher Laut als ursprünglich anzusetzen ist. Nächste Verwandte von mittelniederdeutsch grabben dürften mittelhochdeutsch grapen, grappen, altenglisch grapian, gropian, berühren und altnordisch grapa, an sich reißen sein. Im weiteren ist die Gruppe offensichtlich mit der Sippe greifen verwandt, ohne dass die Verhältnisse im Vokalismus regulär aus den Ablautstufen des starken Verbs greifen her leitbar wären. Die außerdeutschen Parallelen mit dem Langvokal weisen auf germanisch /p/ daneben aber finden sich hoch- und niederdeutsch auch Varianten mit Kurzvokal und lenisiertem Labial, die nach den Silbenregeln des Deutschen zu geschlossener Silbe, Verlegung der Silbengrenze in den Konsonanten und graphischer Verdopplung des Konsonantenzeichen geführt haben. Da im ostwestfälischen Mundarten aber überhaupt die Lenisierung von nachvokalischen Explosiven zu beobachten ist, entspricht eine Lautform Grabbe ganz den Bedingungen der gesprochenen Mundart des Raumes, aus der sie stammt.

             

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 historische Bemerkungen: Aufgeschrieben ca. 1840 von einem Basbecker Lehrer

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 3.)  Die Vorfahren der meisten "Grabbes" stammen aus der Detmolder Gegend, wo es auch heute noch viele Familien gleichen Namens gibt. Da die Grabbe's oft sehr Kinderreich waren, aber nur ein Sohn den Hof übernehmen konnte, mussten sich die anderen Kinder woanders Arbeit suchen. So kamen viele "Lipper Bürger" nach Norddeutschland. In Basbeck, wo eine Ziegelei in jedem Jahr tatkräftige Arbeiter suchte. Die Arbeit in den Ziegeleien war äußerst schwer und lange. Sie dauerte vom frühen Morgen bis zum späten Abend und war oft nur durch kurze Essenpausen unterbrochen. Selbst in der Nacht war noch hier und dort Wache zu schieben, bei dem brennenden Ofen. Es konnten nur junge kräftige Leute diese Arbeit verrichten. Da es aber in der Basbecker Gegend an solchen Arbeitern mangelte, warb man Leute aus dem Lipperland an. Auf dem Markt von Lemgo und Detmold fand diese Anwerbung statt. In großer Anzahl verließen die jungen Leute ihre Heimat, um in den Ziegeleien zu arbeiten und ihr Brot zu verdienen. Meistens kamen sie im Frühjahr, Ende März Anfang April und im Herbst (Oktober, November) zogen sie mit ihren Leiterwagen wieder heimwärts. Da sie außerordentlich fleißig und sparsam waren, so hatte mancher einen schönen Batzen Geld gespart. Die Arbeit war meist im Akkordlohn. Für 1000 Steine erhielt der Ziegelmeister ca. 7 Mark, davon musste er dann wieder seine Leute bezahlen. Nur bei langer Arbeitszeit, etwa 12 - 16 Stunden täglich konnten die Arbeiter auf einen guten Verdienst kommen. Die fertig gebrannten Steine wurden meistens auf einen Ewer geladen und nach Hamburg oder Bremen transportiert. Da es vielen Lippern in Basbeck und in den umliegenden Dörfern gut gefiel, so kam es nicht selten vor, dass der eine oder andere hier blieb, seine Familie nachkommen ließ oder hier heiratete. Viel Lipper fanden in Basbeck eine neue Heimat. Grabbe aus Stadenhausen und Lemgo, Hellemann aus Siethwende, Dröge aus Lemgo, Berendsmeyer, Echtermeyer, Hüttmeyer, Petersjohann aus Privitsheide und viele andere. So oder ähnlich sind viele unserer Vorfahren aus der Heimat "Lippe" in den ganzen norddeutschen Raum ausgewandert und sesshaft geworden.

 So gibt es heute auch "GRABBE's" in Bremen, Bremerhaven, Cuxhaven, Hamburg, Hemmoor, Oldenburg, Varel, Wildeshausen, und in vielen anderen Orten des Nordens. Meist sind sie alle weitläufig miteinander verwandt, oft ohne es zu wissen. Eines haben sie aber gemeinsam, ihre Wiege stand im Lipper-Land.

 

Grabbe Forschung weltweit

 4.) Dank des Internets ist es heute bedeutend einfacher Familienforschung zu betreiben. Hierbei bin ich auch in anderen Ländern auf den Namen Grabbe gestoßen. Einige dieser Grabbe Sippen haben mit der lippischen Linie auch nicht mehr gemeinsam, als den Namen. Die Grabben in Schweden, Finnland, England, Belgien haben mit Sicherheit ihre eigenen Wurzeln. Bei den Grabben in den USA, gibt es verschiedene europäische Vorfahren. Einige stammen von der Schleswig Holsteinischen Linie der Grabbe Sippe ab, andere von der Lipper Grabbe Sippe. Es gibt aber auch Grabbe Nachkommen in den USA aus den schon vorher genannten europäischen Nachbarländern. Einige Einwohner der USA mit dem Namen Grabbe, haben diesen Namen erst in den USA angenommen. Sie stammen ursprünglich aus Polen und haben ihren Nachnamen, da er für die meisten Amerikaner unaussprechlich ist, einfach in „Grabbe“ umgeändert.

 Grabbe  in Schleswig Holstein

Aufgrund meiner umfangreichen Nachforschungen in den Kirchenbüchern und Archiven in Schleswig-Holstein bin ich zu folgenden Erkenntnissen gekommen.

Wo der Name Grabbe (siehe Namensdeutung im Grabbe Jahrbuch 1997) herkommt kann heute nicht mehr einwandfrei festgestellt werden. Ebenfalls kann nicht mehr festgestellt werden ob es in Schleswig Holstein vor dem 15. Jahrhundert Verbindungen mit anderen Sippen gleichen Namens gab, da der Name Grabbe auch im Lippischen Raum sehr verbreitet ist. In den Saalbüchern des Klosters Corvey und den Steuer-Abgabe-Büchern des Fürstentums Detmold kann der Name Grabbe sogar bis in das 14. Jahrhundert verfolgt werden.

 Einige Grabbe Familien der lippischen Linie, die vom Beruf Töpfer und Ziegler waren, sind auch nachweisbar Anfang des 19. Jahrhunderts nach Schleswig Holstein eingewandert. (z.B. die Grabbe Familien in Husum, Henstedt-Ulzburg und Quickborn stammen aus der lippischen Linie)

Die Sippe Grabbe in Schleswig Holstein war urkundlich zuerst im Raume Burg, Schenefeld, Hadenfeld und Meldorf ansässig. Hier taucht der Name Grabbe in den Kirchenbüchern dieser Kirchspiele zuerst auf. Der Name Grabbe wurde in den Kirchenbüchern auch oft unterschiedlich geschrieben, da viele der Kirchenbuch Schreiber die Eintragungen nach ihrem Gehör vornahmen und nicht nach irgendwelchen Dokumenten. Namen wie: Grabb, Grab, Grap, Grapp, Grabben, Grappen sind daher keine Seltenheit.

Teilweise hatten die Grabbe Familien sehr viele Kinder, so dass die Söhne und Töchter die nicht Hoferbe wurden, sich in anderen Dörfern und Kleinstädten Arbeit suchen mussten. Sie verdingten sich oft als Knechte oder Mägde auf anderen Höfen aus. So wanderten sie mit der Zeit in alle Himmelsrichtungen im Schleswig-Holsteinischen Raum aus.

Als König Friedrich von Dänemark Teile des Landes im Norden neu besiedeln ließ, erscheint der Name Grabbe nun auch im nördlichen Teil von Schleswig Holstein, zuerst im Raume von  Friedrichs – Anbau. Von hier aus verbreitete sich dann die Sippe Grabbe nach Schleswig, Ellingstedt, Dörpstedt, Flensburg und Rendsburg.

Der nördliche Teil von Schleswig Holstein wurde durch die Grabbe Sippe aber erst nach 1800 besiedelt. Hier stehen in den Kirchenbüchern auch oft die Namen Grapp, Grabben oder Grabb, welches aber stets die Kinder oder Kindeskinder der Grabbe Sippe sind.

 Die Grabbe Sippe im Lipperland

 Die erste Namenserwähnung der Sippe Grabbe erscheint im Landschaftsregister von 1486. Der Grabbische Stammhof in Nienhagen wird auch im Jahre 1515 im Schatzregister des Kirchspiels in Schötmar erwähnt, als "Grabbe in Niggenhagen". Die Hofstelle dürfte jedoch weitaus älter sein, vom Jahre 1535 – 1585 sind verschiedene Einträge im Schatzregister vorhanden.

Der Grabbe Hof lag in kurzer Entfernung von der preußischen Grenze südöstlich vom Grenzstein 39 in der Dorfschaft Nienhagen bei Leopoldshöhe. Das Gebäude des Bauernhofes ist im Jahre 1901 abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden.  In der kleinen Talsenke steht aber heute noch, dass vor zwei Jahrhunderten erbaute Kötterhaus. Den Nordhang dieses Tales nennt man seit Jahrhunderten Sauerland, wohl weil der Boden am Hang und im Tal schwer und nicht sehr gut ist. Durch den im Nordwesten des Hofes gelegenen Wald führte einst die preußische Grenze.

Der Hof wird im Katasteramt in Schötmar 1750 folgendermaßen beschrieben: 1.) Der Hof ist im Zuschlage worauf 4 Eichen befindlich, groß 1 schfl 2sp. Darauf befinden sich 2.) an Gebäuden a.) das Wohnhaus, b.) die Leibzucht, c.) ein Backhaus. 3.) An Garten, gleich beim Hofe, 1 schfl 1sp. Garten und Wiese. 4.) An Länderey: a.) das Langenfeld 22schfl., b.) der Kuhkamp 2 schfl. 5.) An Wiese: a.) die lange Wisch mit 4 schfl. und b.) ein Garten mit  1 ½ schfl, sp. 6.) Gemeinde Hude zu 3 Pferde und 4 Stück Rindvieh.

Die Grabben waren Kötter. Der Begriff Kötter erschien zuerst im späten Mittelalter und war besonders in den mittleren Gebieten von Deutschland verbreitet. Sie waren zumeist Siedler mit einem kleineren Besitz und wenig Rechten. Ihre Häuser oder Kotten, die heutzutage zumeist Hofstellen, also Kötterhöfe sind, lagen immer vom Acker getrennt. Je nach der Größe des Besitztums wurden sie Klein-, Mittel-, oder Großkötter genannt. Alle Kötter waren zu Leibdiensten an Grund und/oder den Landesherren verpflichtet.

Die Kötterdienste bestanden in der Form von Briefe austragen, Flachsarbeiten verrichten, Hilfe bei den Erntearbeiten, Wiesendienste in Form von Mähen oder Mist unterwenden, Arbeit im Hopfengarten und Ställe ausmisten.

 Die Grabben in Nienhagen waren dem Grafen von Lippe leibeigen und mussten dort ihren Leibzinns bezahlen. Außerdem mussten die Grabbes an die Kirche von Heepen 4 Taler und 5 Groschen Pacht bezahlen, da ein Teil des Landes der Kirche gehörte. Auch der Küster der Kirche bekam in jedem Jahr von der Ernte einen halben Scheffel Roggen.

 Im Jahr 1600 wurde an den Grafen ein Goldflorin und 1 Ort gezahlt. Zum Burgfestdienst müssen die Grabbes 3 Tage Leibdienst leisten und als Maltzgeld sind 1615, 2 Taler und 3 Größke zu zahlen.

In der Zeit vor dem 30jährigen Krieg besaß der Grabbe Hof 4 Pferde, 1 Fohlen, 4 Kühe, 3 Rinder, 4 Schweine und ebenso viele Jungschweine. Die Grabbe Familie besaß vier Kinder von denen der jüngste Sohn Friedrich nach seiner Heirat den Hof übernahm. Nach dem 30jährigen Krieg waren es nur noch 2 Pferde, 2 Kühe und 1 Rind. Es muss eine sehr ärmliche Zeit gewesen sein, als Friedrich Grabbe mit seiner Ehefrau Triene  und ihren 7 Kindern auf dem Hof lebten.

Dieses bezeugt auch das Wrugregister in Schötmar in dem 1674 folgende Begebenheiten festgehalten wurden, als Frerck Grabbe 9 Eichen geschlagen hatte, die er zur Reparatur seines Stalles verwenden wollte.

Bauernrichter wruget, Bade zu Broninghausen, Tempelierer (Pastor) zu Hepen klagt, dass Grabbe aus Nienhagen aus einem bey seinem Hoffe gelegenen Holtze, welches für Kirchenholtz gehalten wirt, 9 Eichen gehawen.

Es wurde ihm hierauf eine Kuh gepfändet und Frerck wurde zu einer Strafe von 5 Goldthalern verurteilt. In einem Brief an den Grafen zu Lippe, beklagt er  jämmerlich sein Unglück, dass von seinen 4 Kühen, drei in diesem Jahr eingegangen waren, so dass er zu diesem Zeitpunkt nur noch 1 Pferd besaß. Man möge ihm doch die Strafe erlassen und die Kuh zurückgeben, da er sonst nicht wüsste, wovon er seine Familie ernähren sollte.

In den Jahren 1679 und 1680 starben Frerck und Trine kurz hintereinander an der Ruhr. Sie hinterließen 7 Kinder, die alle nun von den Oheimen (Onkel) groß gezogen wurden. Wenn ein Altbauer heiratete oder starb, mussten an den Gutsbesitzer Steuern bezahlt werden, sogenannter >Weinkauf< oder >Sterbefall<.

Die Verordnung zur Aufhebung der Leibeigenschaft und des Gutseigentums wurde am 27.12.1808 zum ersten Mal veröffentlicht und trat bereits am 1.1.1809 in Kraft. Bisher wurde auf dem Hof immer nur so viel gearbeitet, um den Erhalt zu sichern. Alles andere wäre sonst dem Gutsherrn zugeflossen. Die Aufhebung entband die Leibeigenen aber nicht vor der Steuer. Erst das zweite Gesetz von 1838 ermöglichte es den Bauern, mit einem Einmaligen aber fünfundzwanzigfachen Betrag des normalen Steuersatzes, sich auch von dieser Steuer freizukaufen. Dieses wäre vielleicht ein neuer Aspekt in der Grabbe Forschung. Wie mag dieser Umbruch einen Einfluss auf das Leben Christian Dietrich Grabbe gehabt haben.

Hand und Spanndienste für die Gutsherren blieben aber weiterhin bestehen. Diese Dienste konnten aber auch nach 1838 abgelöst werden. Jeder Bauer war daran interessiert sich so niedrig wie möglich einstufen zu lassen. Die Kommissare versuchten jedoch jeden Lebeigenen so hoch wie möglich einzustufen, damit es ordentlich Geld einbrachte. Die letzten Verpflichtungen haben viele Bauern erst im Jahre 1920/21 mit dem entwerteten Geld abgelöst. Es dauerte bei vielen Familien also fast 4 Generationen, bis die Schulden getilgt waren.

Da in den Grabbe Familien immer sehr viele Kinder waren, mussten sich außer dem Anerben, alle anderen Söhne in der Umgebung eine neue Arbeitsstelle und eine neue Unterkunft suchen. Der Hof ging immer auf den ältesten Sohn oder auf die älteste Tochter über.  Da die Arbeit im Lipper Land rar war, wanderten die Söhne der Grabbe Familien in die naheliegenden Städte Lemgo, Lage, Detmold, Herford und Bielefeld ab und nahmen dort eine Arbeit an. Aus den Landarbeitern wurden so im Laufe der Zeit Handwerker, die immer dorthin wanderten, wo es Arbeit gab.

Vom Lemgoer Markt, auf dem viel Anwerber aus den verschiedenen norddeutschen Gebieten Arbeit vermittelten, zogen die Grabbes bis in das Ruhrgebiet, in das Emsland und sogar bis in das Kehdinger Land, welches zwischen Stade und Cuxhaven liegt. Dort verdienten sich die Lipper Söhne als Saisonarbeiter ihr Geld. So manch ein Lipper Sohn fand in der Fremde auch seine Braut, heiratete und blieb in dem Ort, fern von der Heimatstadt wohnen und gründete dort eine eigene Familie.

 Hier zwei Beispiele aus dem Kirchenbuch der ev.-luth Michaliskirche zu Basbeck. Am 15.11.1818. Christopher Hinrich Kock, Tönjes Kock aus dem fürstlichen Lippe Sohn, mit Rebecka Brümmer, des Claus Brümmer aus der Ackergeest Tochter.

Januarius den 28.ten 1844, Hermann Christian Grabbe, des Philipp Grabbe zu Ehrentrup, Amt Lage im fürstlichen Lippe Sohn mit Maria Brümmer, der jetzt verehelichten Rebecka Brümmer mit Hinrich Kock, Tochter. Auf der Pfarrei copuliert.

 Einige Grabbes zog es mit der ersten Auswanderungsperiode um 1830 auch über den großen Teig nach Amerika. Mit der Postkutsche ging es nach Bremerhaven und nach den Strapazen der Überfahrt suchten sie ihr Glück in dem weiten Land der Vereinigten Staaten. Nicht immer hatten die Grabbe Söhne eine glückliche Hand, wer den falschen Zeitpunkt der Überfahrt gewählt hatte, landete schließlich als Soldat im amerikanischen Bürgerkrieg.

Mit der zweiten Auswanderungsperiode um 1860 wagten nochmals einige Grabbes den großen Sprung über den Ozean. Sie siedelten in Oklahoma, Georgia, Iowa, Illinois und Arkansas, gründeten dort Farmen, auf denen noch heute einige Nachkommen wohnen.

Ein Fazit, das mir bei diesen Nachforschungen auffiel, möchte ich hier noch anfügen. Viele Bewohner im Lippischen Raum, die heute Grabe, Grave, Graben, Grobbe heißen, entstammen oft ebenfalls der Grabbe Sippe und sind nur im Laufe der Jahrhunderte durch die sich verändernde Schreibweise zu dem geworden, was sie heute sind.

Da die Zweinamigkeit erst im 12. Jahrhundert im Norden Deutschlands ihren Einzug hielt, könnte es durchaus sein, dass der Sippen Name Grabbe nur einen Ursprung hatte. Dieses lässt sich heute aber anhand der bestehende Urkunden und Eintragungen nicht mehr beweisen. Rein rechnerisch wäre es aber möglich.

Anmerkungen:

 1 Scheffelsaat = 2/3 Morgen  = 17,47 a

    1 Scheffel      =  8 Metzen   = 80 Ruten

1 Goldflorin = 1 Gulden   = 12 Mark  =  216 Pfennig

1 Ort           = ¼ Gulden   =   3 Mark  =     54 Pfennig  

 

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